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Brustschmerz: Nicht immer ist es das Herz

Beim Aufwachen verspürt Klaus K. plötzlich einen stechenden Schmerz in der Brust, der bis in die linke Schulter ausstrahlt. Der 53-Jährige gerät in Panik und sein Herz beginnt zu rasen. "Ein Herzinfarkt", schießt es ihm sofort durch den Kopf. Dann beruhigt er sich selbst damit, dass er es vermutlich gestern beim Sport nur ein wenig übertrieben hat und die Schmerzen wahrscheinlich nach einem heißen Bad verschwinden werden. Seine Frau sieht das nicht so gelassen. Sie drängt ihren Mann zu der einzig richtigen Verhaltensweise bei unklaren Brustschmerzen: Den Notarzt zu rufen.

"Es gibt tatsächlich zahlreiche Ursachen, die für einen plötzlich auftretenden Schmerz im Brustraum verantwortlich sein können", erklärt Prof. Dr. Georg V. Sabin, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Elisabeth-Krankenhaus Essen. "Im Thoraxbereich müssen sich das Herz samt der großen Arterien und Venen, die Lunge, die Rippen und viele Muskeln den Platz teilen. Zudem sind Herz und Lunge ständig in Bewegung. Die möglichen Gründe für Schmerzen sind daher vielschichtig. Akute lebensbedrohliche Erkrankungen, die mit einer Schmerzsymptomatik einhergehen, sind neben Infarkt und akutem Koronarsyndrom auch die Lungenembolie oder eine Aortendissektion - eine Aufspaltung der Wandschichten der Hauptschlagader. Viele Beschwerden lassen sich auch auf Wirbelsäulensyndrome oder Muskelverspannungen zurückführen. Gelegentlich schnüren auch seelische Belastungen die Brust zusammen. Aus der täglichen Praxis wissen wir, dass nur ein Bruchteil der Brustschmerzpatienten an einer kardialen Erkrankung leidet. Trotzdem sollte man Schmerzen im Thoraxbereich immer ernst nehmen und den Weg in die Notaufnahme nicht scheuen, denn Herz-Kreislauferkrankungen sind in Deutschland noch immer die häufigste Todesursache."

Schnell auf den richtigen Behandlungspfad führen

Ein hohes Risiko für einen Herzinfarkt und somit die höchste Alarmstufe besteht, wenn der Brustschmerz als Druck oder ein heftiges Engegefühl beschrieben wird, länger als fünf Minuten anhält, in andere Körperteile ausstrahlt oder wenn er von Übelkeit, Schwindel, Erbrechen und Schwitzen begleitet wird. Allerdings lässt sich nur aufgrund von reiner Schmerzanamnese keine sichere Diagnose stellen. Weitere Untersuchungen sind notwendig. Um diese Patienten schnellstens auf den richtigen Behandlungspfad zu führen, wurde 2003 im Elisabeth-Krankenhaus die interdisziplinäre Zentrale Notaufnahme (ZNA) entwickelt. Hier werden Notfallpatienten nach den Kriterien einer Chest-pain-unit - zu deutsch Brustschmerzeinheit - rund um die Uhr versorgt. Das heißt, zur Abklärung unklarer Brustschmerzen arbeiten mehrere hochqualifizierte Fachärzte aus unterschiedlichen Bereichen eng zusammen. Für die Diagnostik steht modernste technische Ausstattung zur Verfügung. So lassen sich alle Befunde, die zur Klärung der klinischen Fragestellungen notwendig sind, in kürzester Zeit zusammenstellen und ein möglichst rascher Therapiebeginn sicherstellen.

Innerhalb von zwei Stunden

Mit einem Elektrokardiogramm und dem Nachweis des Moleküls Troponin im Blut kann der Kardiologe schnell abklären, ob eines der Herzkranzgefäße verschlossen ist, also ein Infarkt vorliegt. Der Herzultraschall gibt Auskunft über Struktur von Herzwänden und -klappen, deren Bewegungsabläufe sowie die Auswurfleistung des Organs. Falls erforderlich, kann im Elisabeth-Krankenhaus eine Darstellung der Herzkranzgefäße mittels Coronarangiographie sogar ambulant durchgeführt werden. Um eine Aortendissektion, eine Myokarditis oder eine Lungenembolie auszuschließen, steht ein moderner Magnetresonanztomograph bereit. "Mit unserem Konzept gelingt es, die Zeit von der Diagnose bis zur Therapie deutlich zu verkürzen", sagt Prof. Sabin. "Gerade beim Herzinfarkt ist dies entscheidend. Bei entsprechender Indikation ist es möglich, die Blockade im Herzkranzgefäß mit einem Ballonkatheter aufzudehnen und mit einem so genannten Stent abzustützen. Ist eine solche Dilatationsbehandlung innerhalb von zwei Stunden nach dem Infarkt möglich, bestehen für den Patienten die besten Überlebenschancen. In unserer Klinik haben wir in den letzten 22 Jahren über 100.000 Untersuchungen im Herzkatheterlabor durchgeführt und bei über 21.000 Infarktpatienten oder infarktgefährdeten Patienten diese Ballondilatationen der Herzkranzgefäße vorgenommen.“ Diese Form der Akutbehandlung ist natürlich der Idealfall. Dass es in der Realität oftmals anders aussieht, wird im Buch ‚Vom Herzinfakt bis Schlaganfall’ der Stiftung Warentest beschrieben: „Nicht überall ist ein Herzkatheterlabor innerhalb von ein bis zwei Stunden erreichbar - in der Nähe einer Großstadt ist das eher wahrscheinlich als auf dem Land. Aber selbst wenn ein Katheterlabor zur Verfügung steht, muss darüber hinaus noch gewährleistet sein, dass es für eine solche Notfallbehandlung auch geeignet ist (24-Stunden-Bereitschaftsdienst, Ärzte mit ausreichender Erfahrung)".

Bei Herrn K. ist zum Glück keine Herzkatheterbehandlung notwendig. Nach einigen Untersuchungen konnten die Kardiologen Entwarnung gegeben. Mit seinem Herzen ist alles in Ordnung und auch sonst liegen keine lebensbedrohlichen Erkrankungen vor. Der Brustschmerz ist bei ihm auf eine Nerveneinklemmung zurückzuführen. Mit dieser Wirbelsäulenproblematik wird Herr K. in den nächsten Tagen eine orthopädische Praxis aufsuchen. Trotzdem ist Herr K. froh, dass er den Ratschlag seiner Frau befolgt hat und seine unklaren Brustschmerzen von einem Expertenteam hat abklären lassen.


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© EKE / Veröffentlicht am 22.09.2008