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Deutschland macht den Schilddrüsen-Check

Vom 21. bis 25. April 2008 ist wieder Schilddrüsenwoche. Unter dem Motto "Ihre Schilddrüse in guten Händen" engagieren sich bundesweit mehrere tausend Ärzte und Apotheker für die Früherkennung von Schilddrüsenvergrößerungen. Erstmals stehen auch die Besonderheiten der Therapie im Mittelpunkt. Denn der empfindliche Hormonkreislauf der Schilddrüse kann bereits durch einen Wechsel des Präparates aus dem Gleichgewicht geraten - mit gesundheitlichen Folgen für den Patienten.

Die Schilddrüsenvergrößerung (Struma, Kropf) ist die bei weitem häufigste Schilddrüsenerkrankung. Etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland ist davon betroffen. Da Kropf und Co. kaum klare Symptome zeigen, bleiben sie oft unbemerkt. So kann sich die Krankheit ungestört entwickeln und am Ende hilft häufig nur noch eine Operation. Rund 120.000 Mal ist das in Deutschland der Fall. Das muss nicht sein, meint Prof. Dr. Martin Grußendorf aus Stuttgart: "Die beste Methode, eine Schilddrüsenoperation zu vermeiden, ist die frühzeitige Diagnose und eine anschließende Therapie mit L-Thyroxin und Jod. Daher ist eine erneute Schilddrüsenwoche auch in diesem Jahr wieder notwendig."

Schilddrüsenmedikamente nicht einfach austauschbar

Zum ersten Mal berücksichtigt die Schilddrüseninitiative Papillon mit ihrer Aktionswoche auch die Besonderheiten der Therapie. Hintergrund dafür sind die Rabattverträge, die Apotheker seit April 2007 dazu verpflichten, an gesetzlich Krankenversicherte Medikamente abzugeben, für die ein Rabattvertrag zwischen Krankenkasse und Hersteller besteht. Eigentlich eine gute Idee, um die Kosten zu senken. Für Medikamente mit Schilddrüsenhormonen macht diese Vorgehensweise jedoch kaum einen Sinn. Im Gegenteil, durch den Präparatewechsel entstehen nicht nur zusätzliche Kosten. Auch die Gesundheit der Patienten kann darunter leiden.

Wechsel stört das Gleichgewicht

Für die so genannte medikamentöse Einstellung braucht der Arzt Fingerspitzen-gefühl und der Patient Geduld. Denn Präparate mit Schilddrüsenhormonen wirken sehr gezielt und müssen exakt dosiert werden. Die Dosierung ist bei jedem Patienten ganz individuell verschieden und es kann einige Monate dauern, bis ein hormonelles Gleichgewicht - und damit das Wohlbefinden des Patienten - hergestellt ist. Schon ein Wechsel des Präparats kann das empfindliche Gleichgewicht stören. Dazu Prof. Dr. Georg J. Kahaly von der Universität Mainz: Es gibt keinen vernünftigen Grund, bei einem gut auf L-Thyroxin eingestellten Patienten einen Austausch der Präparate zu erwägen, denn damit sind schwer kalkulierbare Risiken verbunden."

Spareffekt pro Tablette: 0,5 Cent

Der angestrebte Kosteneffekt ist ohnehin mehr als zweifelhaft. Denn bei jedem Präparatewechsel ist eine Blutuntersuchung notwendig, um die Hormonspiegel und damit die richtige medikamentöse Einstellung des Patienten zu überprüfen. Zudem ist das Einsparpotenzial bei Medikamenten mit Schilddrüsenhormonen sehr gering. Dazu Prof. Dr. Christoph Reiners von der Universität Würzburg: "Durch den Einsatz des preiswertesten Schilddrüsenhormons statt eines gleich dosierten Originalpräparates lassen sich derzeit etwa 1,80 Euro pro Jahr sparen. Eine beim Präparatewechsel nötige Blutuntersuchung zur Hormon-Bestimmung kostet aber 10 bis 25 Euro." Dadurch werden nicht nur die Einsparungen zunichte gemacht, sondern es entstehen unnötige Kosten, die weit über das ursprüngliche Maß hinausgehen.

Darauf sollten Schilddrüsen-Patienten achten

Patienten sollten ihren Arzt informieren, wenn sie ohne sein Wissen in der Apotheke ein anderes Medikament erhalten. Denn bei einem Präparatewechsel sollten nach etwa vier bis sechs Wochen die Hormonwerte anhand einer Blutuntersuchung kontrolliert werden. Ärzte können sicherstellen, dass Patienten auch wirklich die verordneten Präparate erhalten, indem sie auf dem Rezept ein so genanntes "Aut idem-Kreuz" machen und damit den Austausch in der Apotheke ausschließen.


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© Publicis Vital PR über ddp direkt / Veröffentlicht am 25.03.2008